Konzerngeschichte

DIE JAHRE 1999 BIS 2020

Die Gegenwart - Das Aufgabenspektrum der Mitbestimmung ändert sich

Das Tätigkeitsspektrum der Mitbestimmung ändert sich: Neben der klassischen Wahrung von Arbeitnehmerinteressen ist zunehmend wirtschaftliche Kompetenz gefordert. Sichtbar wird das bei den Fusionen der Vorgängergesellschaften wie 1999 Degussa-Hüls, 2001 Degussa und 2007 bei der Gründung von Evonik.

Sich kümmern – bis heute gehört dies zu den wichtigsten Aufgaben der Betriebsräte. Sich kümmern umfasst faire Regelungen und Vereinbarungen für die Beschäftigten, sei es bei Arbeitszeiten, Löhnen und Gehältern oder der betrieblichen Altersversorgung. In den 2000er Jahren erweiterte sich das Tätigkeitsspektrum der Mitbestimmung zunehmend. Sich kümmern bedeutet seither verstärkt, sich auch mit wirtschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Anke Strüber-Hummelt, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Evonik, bestätigt das: „Alle Betriebsräte sind inzwischen auch Co-Manager und müssen sich mit EBITDA und Cashflow auskennen.“ Was auch von Arbeitgeberseite begrüßt wird, denn „wir brauchen kompetente, exzellent informierte und auf ihre Aufgaben vorbereitete Betriebsräte, mit denen wir auf Augenhöhe sprechen und verhandeln können,“ unterstreicht Personalvorstand und Arbeitsdirektor Thomas Wessel.

Zur Anwendung kam das neue Anforderungsprofil von Betriebsräten und Sprecherausschüssen vor allem bei Unternehmenszusammenschlüssen im Rahmen der Konsolidierung der Chemischen Industrie Ende der 90er Jahre. Bis heute ist die Mitbestimmung gefordert, die zum Teil erheblichen Veränderungsprozesse als eine Art Change-Manager zu begleiten und im Sinne der Belegschaft mitzugestalten.

Das Zusammengehen von fünf großen Chemieunternehmen mit eigenen Unternehmenskulturen und innerbetrieblichen Vereinbarungen führte in den 2000er Jahren zu vielfältigen, nebeneinander existierenden Regelwerken. Ihre Harmonisierung gehörte in der Zeit zwischen 2012 und 2016 zu einem der Tätigkeits-Schwerpunkte der Arbeitnehmervertreter. Mit Erfolg, denn die Zahl der Regelwerke sank von 2.000 auf nunmehr 500.

Aktuell steht das Thema Digitalisierung und die damit verbundene Veränderung der Arbeitswelt ganz oben auf der Tagesordnung. Dabei ist dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates, Martin Albers, wichtig, „dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in einer digitalisierten Arbeitswelt gute Arbeit in einem gesunden Umfeld leisten können.“ Die Verantwortlichen, ob Management oder Mitbestimmung, sind sich darüber einig, dass auch diese Herausforderung gemeinsam bewältigt werden muss. Wie es in den vergangenen 120 Jahren häufig der Fall war. Personalvorstand und Arbeitsdirektor Thomas Wessel: „Unsere Mitbestimmungskultur ist tief verwurzelt und stellt einen echten Wert für uns dar. Darüber hinaus ist und bleibt sie ein Wettbewerbsvorteil.“ Auch Evonik-Chef Christian Kullmann teilt diese Auffassung: „Evonik ist handlungsfähig – nicht trotz, sondern gerade wegen der guten, engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Mitbestimmung. Der beste Spezialchemiekonzern der Welt zu werden, das können wir nur gemeinsam erreichen, im Schulterschluss mit der Mitbestimmung.“